WERBUNG Gastbeitrag von Judith @julesloveandlife: Ein Weingut in der Toskana

Judith @julesloveandlife hat einen neuen Gastbeitrag geschrieben:

Als ich das traumhafte Tuffsteinstädtchen Pitigliano verlasse und einem Weg folge, spärlich mit Schildern markiert, ins Nirgendwo, gelange ich irgendwann, vielleicht habe ich schon gar nicht mehr daran geglaubt, dorthin – zur Tenuta Roccaccia. Plötzlich stehe ich vor einem Tor, dahinter schier endlos erscheinende Weinberge. Der Himmel darüber blau, nur ein paar kleine Wölkchen und eine typische toskanische Augusthitze. Als sich das Tor öffnet, hat das etwas von einem Film. Der Kies knarrt unter den Autoreifen und ich fahre den langen Weg entlang, staunend nach rechts und links blickend, die Trauben in den Reben sehend und ein Gefühl davon, dass es genau so sein muss, das Weingut in der Toskana.

Schließlich komme ich zur Tenuta. Sie besteht aus mehreren einzelnen Gebäuden. Marina, quasi das ‚Mädchen für alles‘ und eine typische Italienerin, und zwei Hunde begrüßen mich herzlich. Das hier, sagt sie, sei ein typisch kleines toskanisches Weingut. Umgeben von den Weinbergen eines großen Unternehmens, das italienweit Wein anbaut und international verkauft, wirkt die Tenuta Roccaccia ein bisschen wie ein gallisches Dorf, dabei ursprünglich, authentisch. Ich spüre, dass Marina ein wenig überrascht ist, dass ich über die Roccaccia berichten möchte – und nicht über den großen, berühmten Nachbarn. Sie fragt mich, wie ich auf das kleine Weingut gekommen sei. Ja, wie eigentlich? Eigentlich ganz einfach… Ein Abend im Restaurant meiner lieben Freundin Fortuna mit Freunden und eine dort stattfindende Weindegustation. Sofort fielen mir die außergewöhnlich hübschen Etiketten der Flaschen auf und dann natürlich der außergewöhnlich gute Geschmack. Mein Interesse war geweckt. Und deshalb bin ich jetzt hier, um mir das genauer anzusehen.

 

Die Geschichte der Tenuta Roccaccia ist die Geschichte zweier Brüder, Danilo und Rosanno Goracci. Die beiden gehören im Grunde zum Stadtbild von Pitigliano, sind dort mit allen bekannt. Lange zur Cantina di Pitigliano gehörend, übernehmen die beiden 1999 die Weinberge, um ihren Traum vom eigenen toskanischen Wein wahr werden zu lassen. 90 Hektar umfassen die Ländereien. Nicht alles davon wird für den Weinanbau genutzt. Etwa 30 Hektar bestehen aus Weinreben, der Rest wird von Olivenbäumen gesäumt und besteht aus Wald. 100.000 Flaschen Wein werden hier jährlich produziert.

Marina führt mich zuerst in den ‚Degustationsraum‘. Hier stehen eine lange Tafel mit zahlreichen Stühlen, verschiedene Weinfässer und Regale voller hauseigener Weinflaschen. Der Wein der Tenuta hat solche Namen wie ‚Oroluna‘ und ‚Poggiocavalluccio‘. Sie beinhalten Trauben wie Trebbiano Toscano, Vermentino und Chardonnay sowie Ciliegiolo. Die Flaschen sehen einfach schön aus. Hier werden regelmäßig Menschen, die den Weg zur Tenuta gefunden haben, verköstigt. Dazu gibt es eine Vorstellung der verschiedene Weine und die Erklärung der einzelnen Traubensorten.

Wir laufen zum nächsten Gebäude. Ein großes Tor öffnet sich und wir stehen im ‚Produktionsraum‘ des Guts. Unzählige Weinkisten, die zum Verkauf bereit stehen, Wein soweit das Auge reicht, bis an die Decke. Der Rest gleicht einem Labor, überall riesige Behältnisse, Gefäße, Thermometer. Nebenan dann die ‚Catina‘, der Ort, wo die großen Weinfässer gelagert werden, bevor der Wein in die einzelnen Flaschen abgefüllt wird. Weinanbau, so Marina, sei die eine Sache, Weinherstellung, eine andere. Ich bin fasziniert.

Wir verlassen den Ort, wo der Wein der Tenuta Roccaccia hergestellt wird, steigen ins Auto und fahren den langen Kiesweg ein ganzes Stück zurück. Marina bringt mich zum zugehörigen Agriturismo. Hier können Menschen Urlaub machen, die nicht in irgendwelchen anonymen Hotels oder kleinen Fremdenzimmern unterkommen möchten. Hier bedeutet Urlaub absolute Stille, Natur und ein Blick über die Weinberge. Das Landhaus stammt aus dem 16.Jahrhundert und wurde einfach und liebevoll restauriert. 3 Wohneinheiten gibt es dort, dazu einen Pool und einen großen Platz mit einem Grill aus Tuffstein, wo zusammen gegessen werden kann. Alles typisch toskanisch. Ein Gast steht auf dem Balkon, ruft ein lautes ‚Ciao, Marina!‘ zu uns herunter. Marina fragt, ob neue Handtücher oder Bettwäsche gebraucht werden, alles ist hier persönlich. Es gibt viele Stammgäste, die jedes Jahr hierher kommen, um die Ruhe auf dem Land zu genießen. Wenn es den Gästen zu still wird, fahren sie ein paar Kilometer nach Pitigliano und genießen dort das Leben des südtoskanischen Städtchen.

Marina verlässt mich, sie muss zurück zum Gut und ich bleibe noch ein bisschen dort. Ich laufe noch einmal ein ganzes Stück zurück und schlendere durch die Weinberge. Ich habe eine Ahnung davon bekommen, was es bedeutet, hier in der Maremma Wein herzustellen. Aber nur eine Ahnung. Hinter diesen traumhaften Weinbergen steckt Herzblut, viel, viel Arbeit und die unbändige Lust, guten und erschwinglichen Wein zu machen. Und natürlich das stetige Bemühen, sich gegen große Konkurrenzen durchsetzen zu können.

Abends sitze ich wieder bei Fortuna im Restaurant und trinke ein Glas des roten ‚Poggiocavalluccio‘. Ich schließe die Augen und sehe die Weinreben vor mir, laufe gedanklich noch einmal durch die Cantina, sehe die großen Weinfässer. Ich öffne die Augen und schaue die Flasche an. Der Wein ist fantastisch. Und heute Abend habe ich das Gefühl, dass er mir noch ein bisschen besser schmeckt. Weil ich weiß, wo er herkommt, weil ich jetzt die Menschen kenne, die hinter ihm stehen. Alles, was mit Herz und Leidenschaft gemacht wird, ist wunderbar. Und oft sind es nicht die Großen, Sichtbaren, sondern die Kleinen, etwas Versteckten, manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbar, die bemerkenswert sind.

Herzensgrüße
Eure Rike

* Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.